Schiller in Amerika ©

Gohliser, 1. April 1994

Schiller in Gohlis – Eine Legende?*

Schiller alias »Schnelle Feder«, 1787
Schiller alias »Schnelle Feder«, 1787

Friedrich Schiller hielt sich zwischen Mai und September 1785 nach aller bisherigen Überzeugung in Gohlis bei Leipzig auf und arbeitete hier u.a. am »Don Carlos«. Das Schillerhaus – Schillers Sommerwohnung jener Monate – beherbergt bis heute zahlreiche Erinnerungsstücke und gibt einen Überblick jener Schaffensperiode. Gewisse Unklarheiten zu Werk und Biographie jener Zeit, u.a. aufgrund zahlreicher verlorener Briefe, bestehen bis heute. Wissenschaftler machen sie fest an der zuweilen seltsam fahrigen und unleserlichen Handschrift, sowie an Überlieferungen von Zeitgenossen, die ihn in Gohlis als »linkisch« oder »großspurig«, als »rothaarigen Langen mit blasser Haut und Pickeln« beschrieben. Nun war Schiller allerdings groß, blond und blauäugig, Rechtshänder und weder linkisch noch großspurig.

Im Jahre 1948 verstieg sich der Solinger Literaturwissenschaftler Prof. Schotebeck gar zu der kaum untermauerten Behauptung, Friedrich Schiller wäre auf der tagelangen Postkutschenreise von Mannheim nach Leipzig von preußischen Werbern gefangen genommen und nach Amerika verkauft worden! Der Schiller der Gohliser Zeit wäre ein kleiner Schreiberling mit großen Ambitionen, der nach und nach immer besser in seine Rolle hineingewachsen sei!

Nun hat man im Zuge der akribischen Aufarbeitung des Schillerhaus-Inventars durch Fachleute eines mehrfach empfohlenen Göttinger Archivalien e.V. eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht. Mit der Laser-Luminiszenz-Methode wurde auf Schillers ovalem Tisch, an dem er immer schrieb, ein wegen des damals gebräuchlichen Silberstifts durch das Papier bis ins Holz gedrückter handschriftlicher Brief eines Linkshänders (!) folgenden Inhalts sichtbar gemacht (bruchstückhaft):

»… glaubst Du nicht, wie die Leute auf mich fliegen, insonderlich die Frauenzimmer! Man hält mich für den Großen, also muß ichs sein! Nur, wie das Werk zu schaffen sei, ist mir noch ein Rätsel wie die ewige Sphinx … In Eile Dein Franz«

Sollte sich das Schreiben als echt erweisen, müßte die gesamte deutsche Literaturgeschichte ab 1785 neu geschrieben werden … Die Reproduktion ist täglich ab 11.00 Uhr im Schillerhäuschen zu sehen. (Gruppen bitte anmelden)

Dr. Ritter, Bauerbach

Schiller in Amerika 

 Der alternde Schiller alias Thomas Jefferson

Der alternde Schiller alias Thomas Jefferson

Nachtrag zu einer Enthüllung von historischer Dimension

Gohliser, Nr. 26/1994

Liebes Kulturamt!

Wie uns aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu Ohren gekommen ist, reagierte Ihr Haus verstört auf den Beitrag in der April-Ausgabe unseres Blattes. In der Tat trugen unsere Enthüllungen Züge einer Sensation: Wir referierten die neueste, auf wissenschaftlichem Boden belegte These, daß Friedrich Schiller auf seiner Reise nach Leipzig im April 1785 von preußischen Werbern gefangen und nach Amerika verkauft worden sei.

Der Friedrich Schiller der Folgezeit muß demnach ein Hochstapler gewesen sein, der sich und sein »Werk« mit dem Namen des Großen schmückte. –

Wir sind nunmehr in der Lage, Ihnen als Schützer des lokalen Kulturgutes weitere Details des original Schillerschen Lebensganges exclusiv offenzulegen!

So geriet der echte Friedrich an einem kühlen, nebligen Septembermorgen im Raum Colorado in die Hände der Dakotas und somit in Gefangenschaft. Seine erstaunlichen Talente wie auch sein rotblondes Haupthaar verhalfen ihm aber alsbald zu außergewöhnlicher Beliebtheit und Achtung bei den Indianern, was zu Blutsbrüderschaft mit Häuptling Kill-I-Willy führte. Schiller erhielt den Kriegernamen »Schnelle Feder«. In den folgenden Kämpfen gegen die Weißen durfte Schiller aufgrund seiner Sprachmacht die äußerst sensible Rauchzeichenanlage bedienen.

Der wechselvolle Gang der Folgejahre läßt nur den zwingenden Schluß zu, daß »Schnelle Feder« in die Regierung der jungen Vereinigten Staaten aufgenommen wurde und seit dem Frühjahr 1789 unter dem Pseudonym Thomas Jefferson als amerikanischer Präsident in die Geschichte einging. –

Wir erlauben uns das Angebot, Ihrem Hause mit einem kenntnisreichen Vortrag zu ebendiesem Thema auf der Grundlage der in unserem Besitz befindlichen Originalurkunden dienlich zu sein.

Immer Ihr

Dr. Ritter, Bauerbach und Leipzig – Redaktionsassistent 

* Das war ein Aprilscherz …
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