Johann Gottlieb Fichte ©

(*19. Mai 1762 Rammenau – † 19. Jan. 1814 Berlin)

Fichte-Porträt

»Die Denkungsart des Hofes, Einkünfte der Fürsten zu vermehren …«

Johann Gottlieb Fichte ist in Leipzig zum Philosophen geworden. Hier hatten bedeutende Vorgänger der frühen Aufklärungszeit gelebt und gewirkt, Gottfried Wilhelm Leibniz, Christian Wolff, Samuel Pufendorf und Christian Thomasius z.B.

Als der Bandwirkersohn Fichte sich im Herbst 1781 in Leipzig für das Theologiestudium einschreibt, vor allem aber Philosophie, Geschichte, Jura hört, liegen Bildungsjahre in Meißen, Siebeneichen, an der Landesschule Pforta und in Jena hinter ihm. Einer der Hochschullehrer hieß Christian August Clodius. Der war kein Selbstdenker, zählte eher zu den »Anpassern an bejahrte Systeme«. Schon fast zwei Jahrzehnte zuvor hat der junge Goethe ihn schön parodiert. Andere wie Christian Friedrich Pezold oder Karl Heinrich Heydenreich waren zeitgemäßer, kritischer.

Seit 1762 war Rousseaus »Gesellschaftsvertrag« in der Welt, 1779 Lessings »Nathan der Weise« erschienen und 1781 Schillers »Räuber«. Auflehnung lag in der Luft. Fichte macht sich Gedanken über »die Grundsätze einer bessern Regierung«, zumal »die Denkungsart des Hofes dahin geht, die Einkünfte des Fürsten zu vermehren« und einem Zeitalter entspricht, »in welchem die Moral von ihren Grundfesten aus zerstört ist«.

Der Student muß 1784 sein Studium abbrechen, weil die frömmelnde, herrnhuternde Frau von Miltitz das von ihrem Mann verfügte Stipendium nicht mehr weiterzahlen will, unter dem Vorwand »nachteiliger Nachrichten« über Fichtes »Lebenswandel«. Er ist wieder »in dem drückenden Mangel« und hält sich mit Gelegenheitsarbeiten, wechselnden Hauslehrerstellen, u.a. 1787 auf dem Rittergut Oelzschau bei Leipzig, und mit Privatunterricht über Wasser.

Als die ersten großen Schriften Immanuel Kants auch in Leipzig diskutiert werden, verlangt ein Student von ihm Unterricht. Fichte muß sich intensiv mit dem Philosophen beschäftigen – und bekennt: »Ich lebe in einer neuen Welt …«.

Eine neue Welt und wichtige Kontakte zu Johann Kaspar Lavater und über ihn nach Weimar eröffnet ihm die 1788 durch den Leipziger Kreissteuereinnehmer Christian Felix Weiße vermittelte Hauslehrerstelle in Zürich, im »Gasthof zum Schwerte« bei einem Herrn Ott. In Zürich wird er auch in die Freimaurerloge »Modestia cum Libertate« aufgenommen.

Fichte ist im Mai 1790 wieder in Leipzig, zu Fuß. Und er hat in Zürich Johanna Rahn gefunden, seine spätere Ehefrau, Nichte Friedrich Gottlieb Klopstocks. Zum Studium nach Leipzig reisen bald Novalis und Friedrich Schlegel an und wohnen beim Löwenapotheker Linck, Grimmaische Straße (heute: Kaufhaus-Seiteneingang).

Fichte-Stadtplan

                 Häuserzeile am Neukirchhof (Matthäikirchhof), der Promenade gegenüber. 1799

Am 2. November 1790 schreibt Fichte seiner Verlobten nach Zürich: »Ich habe mein Logis verändert und so glücklich verändert, daß ich eine der schönsten Aussichten und vielleicht die gesündeste Luft in Leipzig habe. Aus meinem Fenster sehe ich oft in der Morgensonne zunächst vor mir die Promenade, über ihr einen der schönsten Gärten, weiter hin eine lange Vorstadt und über ihr hinaus eine unabsehbare Ebene, mit Dörfern und Wäldchen besät, deren Laub durch den Herbst mit dem sanftesten Gemisch von rot und röter und braun tingiert ist. Da nichts vollkommen sein kann, so habe ich dabei Wirtsleute, die mir sehr zuwider sind. Nun verschlägt das zum Glück bei mir nicht viel. Meine Adresse ist auf dem Neuen Kirchhofe, in Leutschens Hause, 4 Treppen …«

Dort steht seit 1912/13 der gewaltige Bau der Leipziger Feuer-Versicherungsanstalt, heute Gedenkstätte »Runde Ecke«. Dort interessiert sich allerdings niemand für den großen Demokraten und »Mitbewohner« …

Ab Januar 1791 wohnt Fichte in der Schloßgasse »in Brauns Hause 3. Treppen«. Das ist dort, wo seit fast zwei Jahrzehnten am Burgplatz die große Baugrube eines großartigen Investors klafft … 1794 ist Fichte Professor in Jena. Man vertreibt ihn, unter Mithilfe Goethes: der berühmte »Atheismusstreit«. 1809 ist er Professor in Berlin, 1811 Rektor. »Ich werde das Schwert in der gelehrten Republik führen …« Durch seine Frau, im Jahr der Völkerschlacht 1813 Lazaretthelferin, steckt er sich mit Typhus an, woran er auch stirbt.

Geblieben von Johann Gottlieb Fichte in Leipzig sind ein Straßenname in der Südvorstadt und ein Zitat am Cramer-Ehrenmal im Johannapark …

 

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