Böse Zitate zur Zeit

»Zu der Erkenntniß gelangte ich bald, daß wir viel mehr Genießbares in der Kunstwelt vorgeführt bekämen, wenn jedes Talent innerhalb der ihm von Natur aus gezogenen Schranken seine Kräfte auszubilden bestrebte, ohne darüber hinaus nach Früchten zu langen, die ihm unerreichbar bleiben …«

Albert Lortzing im Gespräch mit Johann Christian Lobe

»Zwei Dinge sind schändlich hier in Weimar. Der falsch erborgte Schimmer, mit dem wir auswärts Gleisnerei treiben, und die jämmerliche Geistes- und Bücherarmut, in der wir hier schmachten. Ich werde künftig Breitkopfs Druckerzeichen: Der Bär, der an seiner Tatze saugt, zur Titelvignette aller meiner Bücher nehmen, mit der Überschrift: Ich bin mir selbst die Nahrung …«

Johann Gottfried Herder, 14. Mai 1795  

»Ein Volk befindet sich im ersten Stadium der Revolution vom Augenblicke an, wo es anfängt, Bildung in sich aufzunehmen …«

Josef Graf Sedlnitzky, Leiter der Polizei- und Zensurhofstelle in Wien, um 1840

»Das viele Wissen macht die Menschen nicht glücklich und namentlich, wenn man gewissen Ständen schon in der Schule Gegenstände beibringt, die ihrem Horizont fernliegen …«

Der sächsische Prinz und spätere König Johann, 1840

»Du glaubst gar nicht, mein Sohn, mit wie wenig Weisheit die Welt regiert wird!«

Axel Graf Oxenstierna, *1583-1654, schwed. Staatsmann (Heinrich Laube, Erinnerungen)

»Die höheren Stände sind im Besitz aller Bildungsmittel, die unteren sollen sie gar nicht haben, das Volk darf nicht weiter unterrichtet werden, als es zu seiner Arbeit paßt«.

Karl Otto von Raumer (1805-1859), Unterrichtsminister im preuß. Kabinett Manteuffel, 1854 

Seume-Zitate

aus: Mein Sommer 1805, Vorrede; Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802; Apokryphen

Überall cimmerische Finsterniß und eiserne Verriegelung des Verstandes. Die einzige Weisheit ist Zynismus, und daß man sich vor seiner Tonne noch so viel Sonne verschafft, als die Macedonier nicht verhindern können.

Wir wollen an Dokumenten arbeiten, daß wir nicht zur Zeit gehören; damit uns wenigsten nicht die Nachwelt zu dem Brack der Blindlinge und Kriechlinge zählt … 
An Gerhard von Kügelgen, Februar 1807

Ich glaube, jedes Buch müsse näher oder entfernter politisch sein. Ein Buch, das dieses nicht ist, ist sehr überflüssig oder gar schlecht … Politisch ist, was zu dem allgemeinen Wohl etwas beiträgt oder beitragen soll. Was dieses nicht tut, ist eben nicht politisch. Man hat dieses Wort sehr entstellt, verwirrt und herabgewürdigt, oder es auch, nicht sehr ehrlich, in einen eigenen Nebel einzuhüllen gesucht, wo es dem ehrlichen schlichten Manne wie eine gespensterähnliche Schreckgestalt erscheinen soll. Meistenteils gelingt es leider sehr gut.

Hundert Tausende denken wie ich; aber niemand hat vielleicht die Pflicht oder die Gelegenheit, es öffentlich zu sagen.

Bei uns zerstören die Freiheiten die Freiheit, und die Gerechtigkeiten die Gerechtigkeit. Jedes Privilegium, jede Befreiung von Abgaben ist ganz gewiß der erste Schritt zur Sklaverei, so wie es die erste öffentliche Ungerechtigkeit ist. So mögen wir denn die Schmach unserer Schwäche tragen.

Es ist nur Scham zu ernten, wo das Vaterland bloß merkantilisch behandelt wird.

Überall ist unter dem Volke grobe schmutzige Selbstsucht. Unter unsern Fürsten herrscht Mißtrauen; einer freuet sich über das Unglück des andern, wird ohnmächtiger durch Trennung, greift unüberlegt nach jedem kleinlichen Vorteile des Moments, und bringt endlich sich und die Nation an den Rand des Verderbens.

… Mit Wahrheit ist, nach der alten Erfahrung, freilich keine Gunst zu verdienen; denn sie beleidigt fast überall, weil fast überall Sünde ist …

Wo das Denken aufhört, haben die Spitzköpfe ebensosehr gewonnen, als wo das Verkehrtdenken anfängt.

Hundert Tausende denken wie ich; aber niemand hat vielleicht die Pflicht oder die Gelegenheit, es öffentlich zu sagen.

Die Geschichte ist am Ende doch ganz allein das Magazin unsers Guten und Schlimmen.

Wir wollen den Fürsten nicht vorzugsweise die Last des Unheils aufbürden; denn wo das Volk zur Entscheidung kam, ging es verhältnismäßig nicht besser; das zeigt die alte und neue Geschichte. Alle tragen ihren Teil der Schuld.

… Daß der Himmel mich behüten möchte vor den Händen der monarchischen und demagogischen Völkerbeglücker, die mit gleicher Despotie uns schlichten Menschen ihr System in die Nase heften, wie der Samojete den Ring …

Das ganze Losungswort und das Heiligtum der Staatsveränderung ist ein mathematisch richtiges Steuerkataster. Das übrige ist notwendige Folge. Nur dadurch besteht Freiheit und Gerechtigkeit und höchste Nationalkraft; nur diese macht gute Bürger, und hält sie.

Man braucht fast überall nur das Minimum, um das System zu erhalten; und herrscht, weil man nicht weise genug ist, zu regieren …

Wenn ich nur das bißchen Humanität unter der linken Seite loswerden könnte! Wer Vernunft in die Religion bringt, ist ein Ketzer und Ruchloser …Wer Vernunft in das Staatsrecht trägt, ist ein Rebell … Heiliger Spartakus bitte für uns! Und wo es nicht so schlimm ist, ist es noch schlimmer …  An Münchhausen, 1799

Wenn wir nicht von vorne anfangen, dürfen wir nicht hoffen, weiter zu kommen.

Man darf die meisten Dinge nur sagen, wie sie sind, um eine treffliche Satyre zu machen.

Sie verdrehen Geschichte, bis sie paßt … Apokryphen

 

Richard Wagner

Das Lied vom Siege-Fried. An das deutsche Heer vor Paris.

Januar 1871

(Anmerkung: Eine selten dämliche Reimerei … W.F.)

Was schweigt es doch im deutschen Dichterwald?

Versang »Hurra Germania« sich so bald? / Schlief bei der Liedertafel-Wacht am Rhein

beruhigt sanft »lieb Vaterland« schon ein?

Die Deutsche Wacht, da steht sie nun in Frankreichs eitlem Herzen;

von Schlacht zu Schlacht vergießt ihr Blut sie unter heißen Schmerzen:

mit stiller Wucht / in frommer Zucht | vollbringt sie nie geahnte Taten,

zu groß für euch, nur ihren Sinn zu raten.

Das eitle Wort, das wußte freilich Rat, / da im Geleis es sich gemütlich trat:

der Deutschen Liederklang und Singesang, / man wähnte, selbst Franzosen macht’ er bang.

Du treues Heer, hast du’s mit deinen Siegen nun verbrochen,

daß jetzt nur mehr in Kammerreden wird von dir gesprochen?

Das hohe Lied / dem Siege-Fried jetzt singen ängstlich Diplomaten,

vereint mit ärgerlichen Demokraten! / »Zu viel des Siegs! Mögt ihr bescheidner sein:

begnügt euch friedlich mit der Wacht am Rhein!

Laßt uns Paris, wo sich’s so hübsch verschwört,

und seid zufrieden mit der Schlacht bei Wörth!« –

Doch unbetört / in ernstem Schweigen schlägst du deine Schlachten:

was unerhört, / das zu gewinnen ist dein männlich Trachten.

Dein eignes Lied / in Krieg und Fried’ / wirst du, mein herrlich Volk, dir finden,

mög’ drob auch mancher Dichterruhm verschwinden!

Das Lied, blick’ ich auf deine Taten hin, / aus ihrem Werte ahn’ ich seinen Sinn:

fast klingt’s wie: »Mut zeigt auch der Mameluck«,

dem folgt: »Gehorsam ist des Christen Schmuck«. _

Es ruft der Herr:  / und ihn versteht ein ganzes Volk in Waffen,

dem Ruhmgeplärr’ / des Übermuts ein Ende da zu schaffen.

Es rafft im Krampf / zu wildem Kampf / sich auf des eitlen Wahns Bekenner:

der Welt doch züchtet Deutschland nur noch Männer.

Drum soll ein Deutscher auch nur Kaiser sein, / im welschen Lande solltet ihr ihn weihn:

der treuen Muts sein Werbeamt erfüllt, / dem sei nun seiner Taten Wert enthüllt.

Die uns geraubt, / die würdevollste aller Erdenkronen,

auf seinem Haupt  / soll sie der Treue heil’ge Taten lohnen.

So heißt das Lied  / vom Siege-Fried, / von deutschen Heeres Tat gedichtet.

Der Kaiser naht: in Frieden sei gerichtet!

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