Neuerscheinung: Peter Gosse

Aus der Innung der Freunde. 9 1/2 Blicke in sächsische Kunst-Keltern Der Schriftsteller Peter Gosse, Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und deren zeitweiliger Vizepräsident, begibt sich auf seine alten Tage noch einmal auf das Nachbar-Terrain der Bildenden Kunst. Warum? Ich denke, er will den Leuten, deren jahrzehntelange Freundschaft er genießt, schlichtweg seine Reverenz erweisen. […]

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Leipzig 2015: 1000 Jahre Eigensinn (2)

Friedrich der Streitbare.
Letzter Markgraf von Meißen und erster Kurfürst von Sachsen

Letzter Markgraf von Meißen und erster Kurfürst von Sachsen Aufbruch aus dem Mittelalter Das 15. und das 16. Jahrhundert sind für Leipzig und Mitteldeutschland der Aufbruch aus dem Mittelalter: Die Universität wird 1409 gegründet, und 1423 erhält Friedrich der Streitbare, Markgraf von Meißen, den Titel Herzog von Sachsen. Der geht zurück – über die Askanier und […]

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Der »Geisterseher« Johann Georg Schrepfer. Die Legende vom Selbstmord, 1774

Schrepfer

Wie man Hochstapler wird »Ich zweifle mit Grund, ob Jemand die Sache genauer untersucht habe. Eine gerichtliche Untersuchung, wie solche von der Landesregierung eingeleitet werden will, wird unmöglich angestellt werden können, ohne daß dabei Ihro Königl. Hoheit der Herzog von Curland überall mit ins Spiel gezogen, mithin in der Folge Ihro Churf. Durchl. Selbst in […]

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Leipzig 2015: 1000 Jahre Eigensinn

Heidenbekehrung, Wojciech Gerson, 19. Jh.

Bild: Heidenbekehrung, Gemälde von Wojciech Gerson, 19. Jh. (1) Widerborstige Leipziger Anfänge Die Leipziger Anfänge vor mehr als einem Jahrtausend waren durchaus ein wenig anders, als die Jubiläumsverantwortlichen »1000 Jahre Ersterwähnung« glauben machen wollen. Es ist vielmehr eine frühe Geschichte von fremden Eroberern und Bedrückung, Entmündigung und Widerstand. Nicht nur auf dem heutigen Leipziger Stadtgebiet […]

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Schiller in Amerika

Schiller in Gohlis – Eine Legende?* Friedrich Schiller hielt sich zwischen Mai und September 1785 nach aller bisherigen Überzeugung in Gohlis bei Leipzig auf und arbeitete hier u.a. am »Don Carlos«. Das Schillerhaus – Schillers Sommerwohnung jener Monate – beherbergt bis heute zahlreiche Erinnerungsstücke und gibt einen Überblick jener Schaffensperiode. Gewisse Unklarheiten zu Werk und […]

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Freimaurer: Die Legende vom Verbot

Da gibt es wohl Leute, denen Aufklärung gar nicht gefällt ... Sagt ein Historiker.

Es gibt offenbar Leute, denen Aufklärung gar nicht gefällt … Meint ein Historiker. Im Archiv einer Leipziger Loge liegt eine dicke Mappe mit Austrittsschreiben von Brüdern aus den Jahren 1931/32. Die Begründungen waren angeblich familiäre und gesundheitliche Probleme, wirtschaftliche, Firmenveränderungen usw., alles natürlich vorgeschoben. Denn die öffentliche Hetzjagd gegen alle Selbstdenker lief schon seit mehr […]

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Leipziger Logen 1736-1933

1736: Logengründung »französischer Brüder« (Hugenotten) in Leipzig (keine Dokumente erhalten) 1741, 20. März: Aux trois compas (»Zu den drei Zirkeln«) gegründet durch 7 Brüder Meister. Durch die ersten beiden Schlesischen Kriege Preußens war die Teilnahme für die »ausländischen Brüder« sehr eingeschränkt bzw. unmöglich. Die Loge wurde 1745 geschlossen. Gründungsdokumente, Matrikeln, Kasse, Ritualgegenstände usw. gelangten auf Verlangen […]

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Böse Zitate zur Zeit

»Zu der Erkenntniß gelangte ich bald, daß wir viel mehr Genießbares in der Kunstwelt vorgeführt bekämen, wenn jedes Talent innerhalb der ihm von Natur aus gezogenen Schranken seine Kräfte auszubilden bestrebte, ohne darüber hinaus nach Früchten zu langen, die ihm unerreichbar bleiben …« Albert Lortzing im Gespräch mit Johann Christian Lobe »Zwei Dinge sind schändlich hier […]

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Christian Theodor Thomasius

Thomasius, 1700

(*01. Jan. 1655 Leipzig, † 23. Sept. 1728 Halle)

»Wer die Wahrheit liebt, kümmert sich nicht um den Haß, ihm ist die Wahrheit selbst ein Schild«. Thomasius, 1724.

Christian Thomasius war ein Selbstdenker, wie Gottfried Wilhelm Leibniz in Leipzig geboren. Die alte Wissenschaftlerdynastie der Familie Thomas und ihr Vermögen machten ihn wirtschaftlich unabhängig. Sein Vaterhaus stand in der Klostergasse, hinter dem Durchgangshof Markt 10, noch im späten 18. Jh. das »Thomasiusische Haus« genannt.

Er besucht die Nikolaischule, studiert zunächst Philosophie in Leipzig und Jura in Frankfurt an der Oder, und wird mit 17 Jahren Magister, mit 24 Doktor der Rechte. Thomasius praktiziert als Anwalt, hält Vorlesungen – und stört die Ruhe beschränkter Kollegen, die sich so schön eingerichtet haben im Staats- und Stadtgefüge. Mit unverschämten Forderungen nach Toleranz z. B., nach einer Trennung von Staat und Kirche, gegen das Verbot konfessioneller Mischehen. Seine Streitschriften sind selbstbewußt, grob und witzig. Zudem kommt er selbst zu Vorlesungen nicht etwa im Talar, sondern in modischer Kleidung mit umgeschnalltem Degen. Und er hält am 31. Oktober 1687 die erste Vorlesung in deutscher Sprache, wo man sich doch die letzten Jahrhunderte mit Latein vor dem Verstehen durch den »Pöbel« geschützt hatte.

Eine populärwissenschaftliche Zeitschrift, die »Monatsgespräche«, bringt ihm die Aufmerksamkeit auch in nicht-akademischen Kreisen, ein früher Journalist. Die Luft hier wird allerdings dünn für ihn, als er gegen den Leipziger Theologen und Hexenverfolger Johann Benedict Carpzov anschreibt. Samuel Pufendorf, bekannter Philosoph, begeistert sich in einem Brief, Thomasius habe

»das harthäutige Tier Carpzov mit der Mistgabel gekitzelt«.

Man findet einen Vorwand, um ihn loszuwerden. Nach Intervention beim sächsischen Kurfürsten erläßt der Leipziger Schöppenstuhl Spruch und Hafturteil gegen ihn. Christian Thomasius wird 1690 in Brandenburg mit offenen Armen empfangen und baut die Universität Halle mit auf. 1703 geht er in 56 »Lehrsätzen« gegen den Hexenwahn vor. Der war kein rein katholisches Hobby. Auch Luther glaubte an den leibhaftigen Teufel, an Polter- und Wassergeister und predigte die Hexenverfolgungen, die Tausenden das Leben kosteten. Thomasius’ kleine Schrift war der Anfang vom Ende der »christlichen« Massenschlächterei. Der Preußenkönig Friedrich der Große meinte:

»Seit Thomasius können die alten Frauen in Frieden sterben«.

Leipzig hätte eine Stadt der Philosophen werden können, mit jenen, die am Beginn der deutschen Aufklärung standen: Pufendorf, Leibniz, Thomasius, Wolff. Eine nicht zu Ende gebrachte Reformation, das geistige Klima an der Universität und die orthodoxen Theologen haben es verhindert.

Glossen

Felix Krulls Enkel In den 90er Jahren, kurz nach der Großen friedlichen Implosion, wurden ziemlich schnell alle interessanten oder auch gut dotierten Posten hierzulande an Hochschulen, in Ämtern, Verwaltungen, Museen usw. von Menschen besetzt, die in der alten BRD keine Chance hatten. Und ich habe mich gewundert, was man laut Kurzbiographien in kürzester Zeit alles auf […]

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